Manchmal liegt das Gute im Innern verborgen.

 

JahrmarktWie wir das Gute in anderen sehen

Fünf Tipps, um glücklicher zu werden


Heutzutage ähneln viele Interaktionen einer Fahrt mit dem Autoscooter. Bei der Arbeit, zuhause, am Telefon, über E-Mail: irgendwie stoßen wir uns immer voneinander ab, wenn wir Informationen austauschen, lächeln oder die Stirn runzeln – und dann weitergehen. Wie oft nehmen wir uns wirklich die zusätzlichen Sekunden Zeit, um herauszufinden, was in anderen Menschen steckt – besonders ihre guten Eigenschaften?

Als Folge dessen, was die Wissenschaftler die „Vorliebe für das Negative“ in unserem Gehirn nennen, bemerken wir tatsächlich eher die schlechten Eigenschaften in anderen Menschen anstatt die guten: Die Dinge, die uns Sorgen machen, uns ärgern oder Kritik in uns auslösen.

Sich unterstützt und geschützt fühlen

Wenn du dich von vielen schlechten oder zumindest neutralen Eigenschaften in anderen umgeben fühlst, und nur eine vage Ahnung von den guten Eigenschaften hast, dann fühlst du dich leider natürlicherweise weniger unterstützt, nicht so geschützt und weniger darin bestärkt, großzügig zu sein und deine Träume zu leben. Und wenn der andere das Gefühl hat, dass du nicht viel Gutes in ihm oder ihr siehst, wird er oder sie sich wiederum kaum die Zeit nehmen, um etwas von dem Guten in dir zu sehen.

Das Gute in anderen Menschen zu sehen, ist deshalb eine einfache aber sehr wirkungsvolle Möglichkeit, um sich glücklicher und selbstbewusster zu fühlen und liebevoller und produktiver in der Welt zu werden.

Werde langsamer
Steig aus dem Autoscooter aus und verbringe ein paar Momente damit, neugierig auf die guten Eigenschaften des anderen Menschen zu sein. Du schaust nicht durch die rosarote Brille: Stattdessen öffnest du deine Augen, nimmst die getönte Brille der Vorliebe für das Negative ab und siehst die Tatsachen, so wie sie sind.

Achte auf positive Absichten
Vor Kurzem war ich bei meiner Zahnärztin und ihre Assistentin erzählte mir eine lange Geschichte über ihren Stromanbieter. Mein Mund war voller Wattetupfer und ich spürte kein Interesse an der Geschichte, aber dann bemerkte ich ihr tieferes Anliegen: mich zu beruhigen, um die Zeit zu überbrücken, bis sie die Wattetupfer wieder herausnehmen und sich menschlich mit mir verbinden konnte.

Vielleicht hätte sie diese Ziele besser verfolgen können. Aber die Ziele selbst waren positiv – was für alle grundlegenden Wünsche zutrifft, selbst wenn die Methoden, die wir zu ihrer Erfüllung nutzen, zu Problemen führen. Ein Kleinkind zum Beispiel, das mit Kartoffelbrei wirft, will Spaß. Ein Teenager mit einer überheblichen Haltung will vielleicht Anerkennung. Oder ein Partner, der Hausarbeit meidet, will Freizeit. Versuche, die guten Absichten in den Menschen in deiner Umgebung zu sehen. Spüre ganz besonders die Sehnsucht nach Glück im Herzen jedes Menschen.

Achte auf Fähigkeiten
Als ich in der Schule war, gehörte ich zu den Jüngsten und wurde im Sport immer als einer der Letzten in eine Mannschaft gewählt: nicht gut für das Selbstvertrauen eines Jungen. In meinem ersten Jahr an der Universität versuchte ich mich in der dortigen Football-Mannschaft. Wir hatten einen großartigen Quarterback, der aber zu klein war, um in einer besseren College-Mannschaft zu spielen. Nach einem Training sagte er im Vorübergehen zu mir, „Du bist gut, ich werde den Ball zu dir werfen.“ Das haute mich um. Aber das war der Beginn meiner Erkenntnis, dass ich in der Tat ein guter Sportler war.

Seine Anerkennung führte auch dazu, dass ich besser spielte, was wiederum unserem Team zugutekam. 35 Jahre später kann ich mich immer noch an seinen Kommentar erinnern. Er hatte keine Ahnung von seiner Wirkung, aber es war eine wichtige Stärkung meines Selbstwertgefühls. In gleicher Weise breiten sich die Wellen weit aus, wenn wir die Fähigkeiten in anderen sehen – besonders wenn wir sie offen anerkennen.

Achte auf positive Charaktereigenschaften
Wenn du nicht von Versagern und Soziopathen umgeben bist, muss jeder, den du kennst, viele gute Eigenschaften haben, wie Entschlossenheit, Großzügigkeit, Freundlichkeit, Geduld, Energie, Mut, Ehrlichkeit, Fairness oder Mitgefühl. Nimm dir einen Moment Zeit, um die positiven Eigenschaften in anderen zu beobachten. Du könntest eine Liste der Tugenden von wichtigen Menschen in deinem Leben anfertigen – selbst von Menschen, die für dich herausfordernd sind!

Und zu guter Letzt
Erkenne, dass das Gute, das du in anderen siehst, auch in dir ist. Du könntest dieses Gute nicht sehen, wenn du nicht eine Ahnung hättest, was es ist. Auch du hast positive Absichten, wirkliche Fähigkeiten und Tugenden des Geistes und des Herzens. Diese Eigenschaften sind eine Tatsache, genauso wie der Stuhl, auf dem du sitzt.

Nimm dir einen Moment Zeit, damit diese Tatsache in dich einsinken kann. Du brauchst keinen Heiligenschein, um ein wirklich guter Mensch zu sein. Du bist schon ein wirklich guter Mensch.

 

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel See the good in others veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

Im November 2012 erschien im Arbor Verlag das gleichnamige Buch zum Newsletter: Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha.

 

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz. Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson