Beine hochlegen und entspannen….

 

Was du tun kannst,
wenn du gestresst bist

Tipps, die dir helfen, Pausen zu machen

 

Als wir uns über Millionen von Jahren in Jäger-und-Sammler-Gruppen entwickelten, bewegte sich das Leben in der Geschwindigkeit des Gehens, im Rhythmus der Jahreszeiten und mit dem täglichen Aufgang und Untergang der Sonne. In vielen der Jäger-und-Sammler-Kulturen, die es heute noch gibt, dauert es nur einige Stunden am Tag, um Nahrung und Unterschlupf zu finden. Wir können davon ausgehen, dass unsere Vorfahren ähnlich lebten und den Rest ihrer Zeit damit verbrachten, zu entspannen, mit Freunden zusammen zu sein und die Sterne zu betrachten.

Sicher war das Leben in anderer Hinsicht schwer – sie mussten sich zum Beispiel vor Säbelzahntigern schützen. Aber trotzdem können wir sagen, dass der Körper und Geist des Menschen sich in der Evolution entwickelt hat, um meist in einem Zustand der Ruhe oder Freizeit – mit anderen Worten in einer Pause – zu sein.

Aber heute im 21. Jahrhundert arbeiten wir oft zehn, elf, zwölf Stunden am Tag (wenn man den Weg zur Arbeit, die Arbeit von zu Hause und Geschäftsreisen mitzählt), um Brot auf den Tisch zu bringen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Das trifft auch zu, wenn man als Elternteil zu Hause ist, denn „das Dorf, das man braucht, um ein Kind großzuziehen“, sieht heute meist eher wie eine Geisterstadt aus. Die meisten von uns sind beschäftigt und immer unterwegs – schon kurz nach dem Aufstehen checken wir unsere E-Mails und geben den Kindern etwas zu essen (oder beides!) und am Abend ist das Letzte, was wir tun, noch das Abhören unserer Telefonnachrichten.

Wer ist hier „zivilisiert“ und wer „primitiv“?

Der moderne Vollgas-Lebensstil führt zu chronischem Stress und Anspannung und damit einhergehenden körperlichen und mentalen Gesundheitsproblemen. Er macht auch kreative Interessen zunichte und lässt keine Zeit für Freundschaften, Erholung, ein spirituelles Leben oder die Kinder und den Partner. Als Therapeut behandle ich oft Familien, in denen einer der Partner über 60 Stunden in der Woche arbeitet. Die Arbeit ist der Elefant im Wohnzimmer, der alles andere an den Rand drängt.

Stell dir vor, du würdest als alter Mensch irgendwo an einem angenehmen Ort sitzen und auf dein Leben zurückschauen und darüber nachdenken. Denkst du, du würdest dir dann wünschen, dass du mehr Zeit mit Arbeit oder Hausarbeit verbracht hättest? Oder würdest du dir wünschen, du hättest mehr Zeit damit verbracht, dich zu entspannen, mit Freunden zusammen zu sein und die Sterne zu beobachten?

Gib dir selbst das Versprechen, dass du mehr Pausen machen wirst. Die meisten werden kurz sein, vielleicht nur eine Minute oder weniger. Aber die akkumulierenden Wirkungen werden sehr gut für dich sein.

Hier einige Methoden, um mehr Pausen zu machen

Gib dir selbst die Erlaubnis
Sag dir selbst, dass du hart gearbeitet hast, und etwas Ruhe verdienst. Sag dir selbst, dass es wichtig für deine Gesundheit ist, dass deine Produktivität sich durch die Pausen verbessern wird und, dass selbst Höhlenmenschen mehr Pausen hatten als du!

Verzichte auf alles andere
Wenn es Zeit für eine Pause ist, lass alles andere ruhen. Schalte wirklich ab.

Mach viele kleine Pausen
Trete viele Male am Tag für mindestens ein paar Sekunden aus dem Strom des Tuns heraus: Schließe für einen Moment deine Augen. Atme einige Male tief ein und aus. Richte deinen visuellen Fokus auf den fernsten Punkt, den du sehen kannst und wiederhole einen Spruch oder ein Gebet. Steh auf und beweg dich.

Schalte runter – Wechsle den Gang
Vielleicht musst du deine To-do-Liste abarbeiten, aber gönn dir wenigstens eine Pause nachdem du Aufgabe A erledigt hast und bevor du an Aufgabe B weiterarbeitest.

Geh raus
Schau aus dem Fenster. Geh nach draußen und schau in den Himmel. Finde einen Grund, um aus einer Versammlung oder Konferenz zu gehen.

Schalte aus
Wenn auch nur für einige Minuten: Nimm das Handy nicht ab. Lies keine E-Mails. Schalte den Fernseher oder das Radio aus. Nimm die Kopfhörer ab.

Mache deinen Körper glücklich
Wasche dein Gesicht. Esse einen Keks. Rieche einen angenehmen Duft. Dehne und strecke dich. Leg dich hin. Massiere deine Augen oder Ohren.

Nimm einen mentalen Urlaub
Erinnere dich an einen Ort, der dich entspannt und glücklich macht. Stell ihn dir vor deinem inneren Auge vor. Ein Bergsee oder tropischer Strand? Die Küche deiner Großmutter? Wenn möglich, reise innerlich dorthin und genieße es. In bestimmten Situationen sage ich mir einfach: „Sie können zwar meinen Körper haben, aber nicht meinen Geist.“

Lass dein Stress-Thermometer nicht in den roten Bereich kommen
Wenn du in bestimmten Situationen immer frustrierter oder angespannter wirst, lass los und mach eine Pause, bevor dein Kopf explodiert. Dem „roten Stress-Bereich“ fernbleiben ist eine wichtige Priorität für deine langfristige Gesundheit und dein Wohlbefinden.

Nein sagen

Um die tieferen Gründe deines geschäftigen Lebens und des Mangels an Pausen zu verstehen, denk über all die Dinge nach, die du meinst, tun zu müssen. Kannst du einige davon loslassen oder delegieren? Und kannst du in Zukunft weniger Arbeiten und Aufgaben übernehmen?

Ich selbst habe langsam gelernt, „Nein“ zu sagen. Ich sage „Nein“ zu Aktivitäten, die für mich nur eine niedrigere Priorität haben – aber auch zu großartigen Dingen, für die ich einfach keine Zeit habe. Und ich sage „Nein“ zu dem Drang, meinen Kalender vollzustopfen.

Das Neinsagen wird dir helfen zu deinem eigenen Wohlbefinden „Ja“ zu sagen – und zu Freunden; zu Aktivitäten, die dich wirklich nähren; zu einem klaren Geist. Zu den Sternen, die hoch über deinem Kopf leuchten.

 
 

 

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel See the good in others veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

Im November 2012 erschien im Arbor Verlag das gleichnamige Buch zum Newsletter: Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha.

 

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz. Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson