Wie wichtig die kleinen Dinge sind

 

Spüre Dankbarkeit

Wie wichtig die kleinen Dinge sind

 

Was fühlst du, wenn jemand sich bei dir für etwas bedankt? Für eine Bemerkung in einem Meeting, eine erledigte Aufgabe zu Hause, einen zusätzlichen Schritt, den du gegangen bist, ein bestärkendes Wort… Du fühlst dich wahrscheinlich gesehen, wertgeschätzt, du spürst, dass du dem anderen Menschen wichtig bist. Vielleicht bist du etwas überrascht, vielleicht fragst du dich, ob du es wirklich verdienst, aber du bist auch sehr froh. Für mich ist es jedenfalls so.

Wenn du es umdrehst und zu jemand anderem „Danke“ sagst, dann ist das ein kurzer Moment mit großen Wellen: eine Bestätigung einer tiefen und wunderbaren Wahrheit, dass wir alle voneinander abhängig sind, dass wir alle zusammen sind – am Esstisch und in der ganzen Welt – in einem Gewebe, dessen Fäden aus zahllosen Handlungen des Gebens bestehen.

Die Wertschätzung des größeren Ganzen

Wenn ich beispielsweise etwas esse, nehme ich mir oft einen Moment Zeit, um mir genau vorzustellen, wie diese Tomate oder dieser Reis angebaut wurde und wie er dann auf meinen Teller gekommen ist – einschließlich der Menschen, die auf dem Feld gearbeitet haben, um zu pflanzen und schließlich zu ernten, und des Mannes oder der Frau, der oder die den Lastwagen gefahren hat, der sie zum Laden brachte, in dem ich sie gekauft habe. Diese Leute kennen mich nicht, aber sie sind tatsächliche Menschen. Menschen, die hart arbeiten und auf ein gutes Leben hoffen, sich Sorgen um die Menschen machen, die sie lieben, die sich bei ihrer Arbeit anstrengen und mir etwas Wichtiges geben – all das ist in die Nahrung mit hineingewoben, die in mein Blut und meine Knochen eingeht: „Danke.“

Eine Kultur der Dankbarkeit

Du kannst dich unmöglich für alles bedanken, was dir gegeben wurde. Niemand kann das. Wenn du also Danke sagst, ist das ein Symbol für deine Wertschätzung des größeren Ganzen, und damit verbindest du dich mit diesem Ganzen. Wenn du dich dem Geben öffnest, das dir jeden Tag begegnet, wirst du Glück erfahren.

Und indem du den Menschen in deinem Leben dankst, öffnest du die Tür, um im Gegenzug ihren Dank zu empfangen. In deinem Zuhause oder in deiner Firma bildest du einen wunderbaren Kreis, einen Schritt auf dem Weg zu einer Kultur der Dankbarkeit.

Erstmal ist es schwer, dich zu bedanken, falls es dir schwerfällt, anzuerkennen, dass du etwas bekommen hast. Vielleicht möchtest du bei niemandem in der Schuld stehen oder nicht bedürftig aussehen. Vielleicht ist es dir einfach peinlich. Diese Gefühle sind normal – aber sie können dir im Weg stehen, wenn du dankbar sein möchtest.

Um mit ihnen umzugehen, benenne sie: „Unangenehm… verlegen… nachtragend… peinlich… Ich möchte niemandem etwas schulden…“ Halte sie in einem offenen Raum des Gewahrseins, wie dunkle Wolken in einem weiten Himmel. Kämpfe nicht dagegen, sondern bewege deine Aufmerksamkeit sanft von ihnen weg, zurück zu deinem Atem und zu einem grundlegenden Gefühl der Gutheit des Körpers. Spüre die Empfindung, dass sich andere Menschen um dich sorgen. Erkenne einige deiner guten Absichten im Leben. Achte auf eine oder einige positive Erfahrungen, die du durch deinen Dank erlebst. Achte darauf, was der andere dir gegeben hat. Spüre ein einfaches Gefühl der Wertschätzung. Spüre, dass es in Ordnung ist, dankbar zu sein. Lass es in deinem Denken richtig sein, einen Dank auszusprechen.

Lass die kleinen Dinge wichtig sein

Viele Ausdrucksformen der Dankbarkeit sind kleine Dinge im Fluss des Lebens – wie jemandem dafür zu danken, dass er dir beim Essen das Salz gereicht hat. Lass diese kleinen Dinge wichtig sein. Spüre den Dank in deiner Brust und in deinem Hals. Wenn du dich bedankst, lass es auch in deinen Augen erkennbar sein. Das Leben besteht aus Momenten, Perlen an einer goldenen Kette. Was reihst du auf deine Kette auf?

Wie man in Tibet sagt: „Wenn du dich um die Minuten sorgst, werden die Jahre für sich selbst sorgen.“

Denke auch daran, wo du vielleicht einen Nachholbedarf beim Bedanken hast, vielleicht für einige große Dinge. Wie zum Beispiel, dich bei deinen Eltern oder anderen Verwandten, bei alten oder neuen Freunden, bei Lehrern und Mentoren aller Art zu bedanken. Ein Dank an Geliebte und Partner, Kinder, Haustiere, Nachbarn – sogar ein Dank an Menschen, die du nie getroffen hast und an die ganze natürliche Welt.

Eine Liste der Dankbarkeit

Eine wunderbare und kraftvolle Praxis besteht darin, eine Liste mit Menschen zu erstellen, bei denen du dich direkt bedanken willst und dann nach und nach durch diese Liste zu gehen. Du kannst dich aber auch in deiner Vorstellung bedanken, wie zum Beispiel bei Menschen, die nicht mehr leben, bei Menschen, die weit entfernt leben, bei ganzen Gruppen von Menschen, bei bestimmten Tieren oder bei der Natur im Allgemeinen oder bei spirituellen Wesen, wenn sie dir etwas bedeuten.

Und bei alldem ist es etwas sehr Schönes, für die Möglichkeit, sich bedanken zu können, dankbar zu sein.

 

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel Say thanks veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

Im November 2012 erschien im Arbor Verlag das gleichnamige Buch zum Newsletter: Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha.

 

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz. Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson