Was ist deine Antwort auf das Leben?

 

Sag Ja

Was ist deine Antwort auf das Leben?

 

Als unser Sohn in der Schule den Theaterkurs besuchte, lernte ich eine Übung aus dem Improvisationstheater kennen: ganz egal, was der andere Schauspieler sagt oder tut, soll man immer symbolisch (und manchmal auch wörtlich) „Ja“ dazu sagen. In anderen Worten, falls sich jemand auf der Bühne zu Dir umdreht und sagt: „Doktor, warum hat mein Baby zwei Köpfe?“, soll man so oder ähnlich antworten: „Weil zwei Köpfe besser sind als einer.“

Das wahre Leben ist wie Improvisationstheater: das Skript ändert sich ständig, und das Ja-Sagen lässt Sie im Fluss, lässt Kreativität wachsen und sie mehr Spaß haben. Versuchen Sie in Gedanken laut „Nein“ zu sagen. Wie fühlt sich das an? Dann sagen Sie „Ja“. Was fühlt sich besser an, öffnet Ihr Herz mehr und lockt Sie mehr in die Welt hinaus?

Ja zu sagen zu einem Lebensabschnitt, zu einer Bedingung oder Situation, zu einer Beziehung, zu Ihrer Geschichte oder Ihrer Persönlichkeit, zu etwas, was gerade in Ihrem Kopf geschieht, bedeutet nicht unbedingt, dass Sie es mögen. Sie können Ja zu Schmerzen sagen, zu Sorgen, zu all den Dingen, die nicht gerade glatt für Sie oder jemand anderes laufen. Ihr „Ja“ bedeutet, dass Sie die Tatsachen so akzeptieren, wie sie sind, dass Sie sich emotional nicht widersetzen, auch wenn Sie mit aller Kraft versuchen, sie zu ändern. Dies bringt gewöhnlich Frieden mit sich und wird Ihren Handlungen zu mehr Effektivität verhelfen.

Bejahen Sie etwas, das Sie mögen. Dann sagen Sie etwas Neutrales.
Beides wird Ihnen wahrscheinlich leicht fallen. Dann sagen Sie „Ja“ zu etwas, das Sie nicht mögen. Können Sie das auch tun? Wenn Sie dies tun, versuchen Sie ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass Sie grundsätzlich okay sind, obwohl das von Ihnen Abgelehnte existiert. Versuchen Sie auch Akzeptanz in Ihrem „Ja“ zu empfinden. Es ist eine Art Ergebung an die Tatsachen, wie sie sind, ob Sie sie mögen oder nicht.

Versuchen Sie Ja zu mehreren Dingen zu sagen, die Sie nicht bevorzugen. Sie sagen damit nicht, dass Sie sie gutheißen, zum Beispiel: „Ja, es regnet an meinem Picknick“; „Ja, es gibt arme und hungrige Menschen auf diesem Planeten“; „Ja, meine Karriere ist festgefahren“; „Ja, ich bin gescheitert“; „Ja, mein lieber Freund hat Krebs“.

Ja, es ist, wie es ist. Ja zum Verkehr. Ja zum Job, den Sie ausführen. Ja zu dem Körper, den Sie haben. Ja zu dem Auf und Ab in Ihrem bisherigen Leben, groß und klein, gut, schlecht, und indifferent, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ja zum jüngeren Geschwisterkind, das Sie mit seiner Geburt vom Thron gestoßen hat. Ja zur Leistung Ihrer Eltern und den familiären Umständen. Ja zu Ihren Entscheidungen, nachdem Sie das Elternhaus verlassen haben. Ja zu Ihrem Frühstück. Ja zu dem neuen Ort, an den Sie gezogen sind. Ja zu der Person, mit der Sie schlafen oder ja zu der Tatsache, dass Sie mit niemandem schlafen. Ja dazu, Kinder zu haben oder sie nicht zu haben.

Alles sagt JA

Was auch immer in Ihren Gedanken auftaucht, bejahen Sie es. Ja zu Gefühlen, Empfindungen, Gedanken, Vorstellungen, Erinnerungen, Sehnsüchten. Ja sogar zu Dingen, die verhindert werden sollen, zum Beispiel der Impuls etwas zu schlagen, unverdiente Selbstkritik oder eine Abhängigkeit.

Bejahen Sie alle Sorten von Menschen in Ihrem Leben. Ja zur Liebe Ihrer Eltern und auch ja zu den Dingen, die Sie verärgert haben. Ja zur Absurdität Ihrer Freundin inmitten von ihrem Humor und ihrer Geduld, ja zur Aufrichtigkeit eines anderen Freundes inmitten von dessen Reizbarkeit und Kritik. Ja zu jedem bisschen eines Kindes, eines Verwandten, eines flüchtigen Bekannten und eines Feindes.

Und ja zu all den unterschiedlichen Teilen Ihres Selbst – was auch immer diese Teile sein mögen, ohne sie jetzt zu suchen und zu wählen. Sagen Sie einfach ja, JA zu allem, was in Ihnen ist.

Probieren Sie Ja-Variationen aus

Spielen Sie mit den verschiedenen Tönen des Bejahens (laut oder in Gedanken), die sich auf verschiedene Dinge beziehen, inklusive derer, die Sie nicht mögen und schauen Sie, wie es sich anfühlt. Versuchen Sie sowohl ein vorsichtiges Ja, als auch ein Überzeugtes, ein Sanftes, ein Reumütiges und ein Enthusiastisches.

Fühlen Sie Ja in Ihrem Körper

Um eine Methode von Thich Nhat Hanh zu benutzen: einatmen, etwas Positives fühlen; ausatmen, „Ja“ sagen. Energie einatmen, ja ausatmen. Ruhe einatmen, ja ausatmen.

Sagen Sie Ja zu Ihren Bedürfnissen

Ja zu dem Bedürfnis nach mehr Zeit für sich selbst, mehr Arbeit, mehr Liebe, weniger Süßigkeiten und weniger Ärger. Versuchen Sie in Gedanken „Nein“ zu diesen Bedürfnissen zu sagen und schauen Sie, was es mit Ihnen macht. Und dann sagen Sie wieder „Ja“ zu ihnen.

Sagen Sie Ja zu Taten

Zu diesem Kuss, diesem Liebesakt, diesem Greifen nach dem Salz, diesem Zähneputzen, diesem letzten Abschied von jemandem, den Sie lieben.

Achten Sie auf Ihre Neins. Und dann schauen Sie, was passiert, wenn Sie etwas bejahen, was Sie zuerst abgelehnt haben.

Sagen Sie Ja zum Leben

Bejahen Sie es, am Leben zu sein. Ja zum Leben. Ja zu Ihrem eigenen Leben. Ja zu jedem Jahr, zu jedem Tag, ja zu jeder einzelnen Minute. Stellen Sie sich vor, das Leben flüstert „Ja“.

Ja zu allen Lebewesen und ja zu Ihnen. Alles, wozu Sie „Ja“ sagen, antwortet Ihnen mit einem „Ja“. Sogar die Dinge, die Sie verneinen, sagen „Ja“ zu Ihnen!

Jeder Atemzug, jeder Herzschlag, jede Welle über eine Synapse: alles davon sagt „Ja“.

Ja, alles ja, alles sagt ja.
Ja.

 

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er erschien in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Mit Kindern wachsen. Übersetzung: Elina Gujo.
 

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz. Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson