Was belastet dich? Lass es los... 

 

Niederlegen, was uns belastet

Nimm es leicht

 

Die meisten von uns schleppen viel zu viel Gewicht auf unserem Weg des Lebens.

Was ist in deinem Rucksack? Wenn du so bist, wie die meisten von uns, dann hast du viele Dinge auf der täglichen To-do-Liste und zu viel Zeug im Schrank. Zu viele Verstrickungen mit anderen Menschen. Und zu viel „Sollen“, zu viele Sorgen, zu viel Schuld und Bedauern.

Erinnere dich an eine Zeit, als du deine Last erleichtert hast. Vielleicht eine Rucksackwanderung, wo jedes überflüssige Kilo zu Hause geblieben ist. Oder nachdem du schließlich eine destruktive Beziehung verlassen hattest. Oder einfach weil du aufgehört hast, dir über etwas Sorgen zu machen. Oder weil du dich mit einem Freund über etwas ausgesprochen hast, das dir Sorgen gemacht hat. Wie fühlte sich das an? Wahrscheinlich ziemlich gut.

Wenn wir eine Last abwerfen, können wir uns entspannen

Sicher sind wir keine nomadischen Jäger-und-Sammler, die all ihre Habseligkeiten in einer Hand tragen konnten. Du weißt, was du wirklich in diesem Leben brauchst; ich persönlich bin glücklich über gute Freunde und einen vollen Kühlschrank. Aber all die zusätzlichen Dinge und das mentale Zeug, dass du mit dir herumschleppst, machen dein Leben kompliziert, belasten dich und halten dich fest. Es gibt schon genug Belastungen in deinem Leben, so wie es ist, ohne dass du noch etwas dazu packst.

Wenn wir dieses Thema in einem größeren Zusammenhang anschauen, können wir über die hinduistische Idee nachdenken, dass Gott drei Ausdrucksformen hat: Schöpfer, Erhalter und Zerstörer. In dieser Kürze kann ich diese Sichtweise hier nicht erschöpfend behandeln, aber die einfache Vorstellung, die für mich einleuchtend ist, ist die, dass es ein gerechtes und unterstützendes Prinzip im Universum gibt, bei dem es um Vereinfachung, Leere, Vollständigkeit und Vollendung geht.

Dieses positive „Zerstören“ ermöglicht – sehr weit definiert – das Kreieren und Erhalten, so wie das Ausatmen das Einatmen ermöglicht, oder das Leeren einer Tasse mit etwas Bitterem es möglich macht, sie mit etwas Süßem zu füllen.

Ganz allgemein: Leg die Last nieder. Und hebe nur selten eine neue Last auf.

Und nun die Einzelheiten: Such dir einen Lagerort aus – wie ein Bücherregal, einen Schrank oder die Ecke einer Kammer – und nimm alles heraus, das du nicht mehr unbedingt brauchst. Verschenke es oder werfe es weg. Achte darauf, wie sich das anfühlt – sowohl die Angst als auch positive Gefühle. Manchmal haben wir Angst, dass wir in unserem Leben irgendwie weggeweht werden, wenn wir nicht viele Dinge haben. Richte deinen Fokus dann auf die positiven Empfindungen und öffne dich einem Gefühl für die Vorteile, wenn du Dinge, die du nicht brauchst, loslässt. Mach mit anderen Dingen weiter, die du nicht willst oder brauchst, sowohl zu Hause als auch bei der Arbeit.

Du entscheidest, was für dich wirklich sinnvoll ist

Schau dir deine Verpflichtungen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben genau an. Schreibe vielleicht eine Liste. Frage dich: Muss ich all diese Dinge wirklich tun??! Öffne dich dieser Stimme der Weisheit in dir, die dir sagt, was du loslassen kannst. Öffne dich einem Gefühl von Freiheit und Autonomie: Du entscheidest, was für dich wirklich sinnvoll ist, nicht die Gedanken des „Sollens“, die in deinem Kopf vor sich hin rufen. Entscheide, welche Aufgaben du an andere übergeben kannst – und lass sie diese Aufgaben erledigen. Entscheide, womit du aufhören kannst, egal, ob andere es weiterführen oder nicht.

Nimm für eine gewisse Zeit (einen Tag, eine Woche, ein Jahr) keine einzige große Aufgabe an. Behandle alle neuen Aktivitäten, Veranstaltungen und Aufgaben als „schuldig bis zum Beweis der Unschuld“ – steck sie nur dann in deinen Rucksack, wenn du dir sicher bist, dass du es wirklich willst oder unbedingt musst.

Lass es für einen Moment vollkommen los

Denke über deine Beziehungen nach. Welche davon fühlen sich schwer, verwickelt, belastet an? Denke dann darüber nach, was du dagegen tun könntest. Könntest du etwas aus der Beziehung heraustreten? Nicht länger bestimmte Themen ansprechen (z. B. hartnäckige Gesundheitsprobleme, Konflikte mit Dritten, die Vergangenheit). Nicht länger bestimmte Rollen erfüllen (z. B. Probleme lösen, Amateur-Therapeut, Ratgeber für Dating)?
Achte auf deinen Verstand: Was belastet dich? Schuld wegen falschen Handelns vor langer Zeit? Unnötige Angst? Hohe, perfektionistische Standards? Zermürbende Wut? Trauer? Passivität, Lethargie? Zweifel? Dich selbst viel zu ernst nehmen? Was immer es ist, lass es für kurze Zeit – eine halbe Stunde, einen halben Tag – vollkommen los.

Im Allgemeinen: Wenn du nicht genau weißt, ob du es brauchst, wirf es weg

Spiele mit einem Gefühl der Leichtigkeit im Körper. So als würdest du von unsichtbaren Helium-Ballons angehoben. Leichtigkeit im Schlaf. Dein Kopf leichter auf deinen Schultern. Leichtigkeit in deinem Herzen.

 

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel Lighten up veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

Im November 2012 erschien im Arbor Verlag das gleichnamige Buch zum Newsletter: Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha.

 

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz. Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson