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Die Vorteile des Zuhörens

Wie man gute Fragen stellen kann

 

Mein Vater wuchs auf einer Ranch in North Dakota auf. Er kennt einen Spruch aus seiner Kindheit – vielleicht hast du ihn auch schon mal gehört: „Du lernst mehr vom Zuhören als vom Sprechen.“

Sicher nützt es uns oft, wenn wir laut über etwas nachdenken – wir entdecken zum Beispiel unsere Wahrheit, wenn wir sie aussprechen. Aber im Allgemeinen bringt das Zuhören viel wertvollere Informationen als das Sprechen.

Wie fühlt es sich an, wenn dir jemand nicht zuhört?

Trotzdem können die meisten Menschen nicht besonders gut zuhören. (Du hast das wahrscheinlich selbst schon gemerkt: Bei der Arbeit, zuhause, wenn du etwas mit deinem Partner besprechen willst…). Wie fühlt es sich an, wenn sie dir nicht zuhören? Oder er oder sie hört vielleicht zu, aber fragt nicht nach. Das fühlt sich nicht gut an. Neben der Tatsache, dass sie wichtige Informationen verpassen – einschließlich und am Wichtigsten deine tieferen Gefühle und Wünsche – schicken sie dir die verborgene Botschaft, dass sie nicht so besonders interessiert sind (obwohl sie es in ihrer wahren Tiefe vielleicht sind).

Und dann dreh es um: Wie, denkst du, fühlt es sich für sie an, wenn du den anderen nicht gut zuhörst? Das fühlt sich auch nicht gut an.

Ein guter Zuhörer zu sein, hat viele Vorteile

Wenn du gut zuhörst, sammelst du wichtige Informationen, gibst anderen das Gefühl, dass sie dir wichtig sind, erhältst ein Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen und verlässt deinen bekannten Bezugsrahmen.

Eine der besten Möglichkeiten zuzuhören, besteht darin, Fragen zu stellen. Dadurch wirst du zu einem aktiven Zuhörer – es zeigt, dass du aufgepasst hast, es kann Dinge ans Licht bringen und es verlangsamt emotionale Gespräche, damit sie nicht außer Kontrolle geraten.
Als Therapeut verdiene ich mein Geld mit Fragen stellen. Und zudem bin ich seit Langem verheiratet und dabei durch dick und dünn gegangen und habe zwei Kinder aufgezogen. Wie man in der Medizin sagt: Ein gutes Urteil kommt aus Erfahrung … und Erfahrung kommt aus falschen Urteilen. Ich biete hier also einige Früchte meiner falschen Urteile an!

Fragen können nonverbal sein

Eine hochgezogene Augenbraue, ein Nicken oder eine stille Pause sind Signale an den anderen Menschen fortzufahren.

Handle mit guten Absichten

Stelle deine Fragen nicht wie ein Ankläger. Es ist gut, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen – ob es die Frage sei, was deine Partnerin in dem Gespräch mit ihrer Freundin am meisten gestört hat oder was dein Sohn am Samstagabend wirklich unternehmen will oder was deine Rolle in einem bevorstehenden Businessmeeting ist.

Aber benutze die Fragen nicht so, dass andere dadurch schlecht dastehen.

Behalte einen sanften Ton

Erinnere dich daran, dass es für den anderen Menschen aggressiv, kritisierend oder kontrollierend wirken kann, wenn ihm Fragen gestellt werden – besonders eine ganze Reihe von Fragen. Denk an all die Situationen, wo Kindern Fragen gestellt werden, als ein Vorspann zu einer Schelte oder einer anderen Bestrafung.

Du könntest den anderen fragen, um sicherzugehen, dass deine Fragen willkommen sind. Verlangsame deine Fragen, damit sie nicht auf den anderen einschlagen. Und unterbreche sie mit Selbstoffenbarungen, die mehr oder weniger die emotionale Tiefe der Worte des anderen Menschen entsprechen. Dadurch legen sie nicht alle Karten auf den Tisch, während du deine nah an deiner Brust hältst.

Bestehe in angemessener Weise auf klaren Antworten

Wenn du spürst, dass es in den Antworten des anderen immer noch eine problematische Unklarheit oder einen Spielraum gibt oder es einfach mehr zu lernen gibt, dann könntest du die Frage noch einmal stellen – vielleicht in anderer Art und Weise. Oder erkläre – ohne Vorwürfe –, warum du immer noch im Unklaren bist, was der andere sagen will. Oder stelle zusätzliche Fragen, die dabei helfen, tiefere Ebenen der Gedanken, Gefühle und Absichten des anderen Menschen an die Oberfläche zu bringen.

Verschiedene Fragen sind in unterschiedlichen Situationen angemessen

Es ist zum Beispiel ein großer Unterschied, ob du Klarheit über ein Projekt haben willst, dass dein Chef dir gegeben hat, oder in einer körperlich intimen Beziehung herausfinden willst, wie diese sich verbessern kann. Fragen über Tatsachen und Pläne sind in der Regel ziemlich direkt.

Für die verborgeneren, emotional stärker aufgeladenen Gebiete der Freundschaft und Familie gebe ich hier einige Beispiele:

  • Wie war……… für dich?
  • Was hat dir an ……… gefallen?
  • Was macht dir Sorgen bei ………?
  • Gibt es noch andere Dinge, die du fühlst, (oder willst) neben………?
  • Woran hat dich das erinnert?
  • Was hättest du dir stattdessen gewünscht?
  • Was ist hier das Wichtigste für dich?
  • Wie wäre es, wenn du hier bekommen würdest, was du willst?
    (Oder: „… was wolltest du von mir?)
  • Wie würdest du damit gern von jetzt an umgehen?
  • Könntest du mehr über ……… sagen?

Wenn deine Absichten gut sind, ist es wirklich in Ordnung, Fragen zu stellen. In der Regel heißen Menschen sie willkommen. Schöpfe Selbstvertrauen aus deinen guten Absichten und deinem guten Herzen.

 

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel Ask questions veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

Im November 2012 erschien im Arbor Verlag das gleichnamige Buch zum Newsletter: Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha.

 

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz. Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson