Freund oder Feind? - Sei freundlich

 

Die Kreisläufe der Freundlichkeit im Gehirn aufwärmen

Freund oder Feind? - Sei freundlich

 

Freundlichkeit ist eine direkte Form der Begegnung, die den anderen Menschen willkommen heißt und Positivität vermittelt.

Denke an eine Zeit, als jemand freundlich zu dir war – vielleicht hat dich jemand in ein Gespräch miteinbezogen, dich auf dem Gehweg gegrüßt oder dich von der anderen Seite des Raumes angelächelt. Wie fühlte sich das an? Wahrscheinlich fühltest du dich mehr beachtet, angenehm und entspannt, sicherer, offener und warmherzig.

Mit offenem Herzen und offener Hand

Wenn du zu anderen Menschen freundlich bist, gibst du ihnen die gleichen positiven Erfahrungen. Zudem wirst du auch selbst belohnt. Freundlich zu sein erfüllt dich mit Selbstvertrauen und macht dich glücklich, du begegnest anderen Menschen positiv, bewegst dich auf die Welt zu, anstatt dich von ihr zu entfernen. Und es bestärkt andere darin, sich weniger zu schützen und sie reagieren auch nicht mehr so heftig, weil du die alte Frage aus Millionen Jahren der Evolution – Freund oder Feind? – mit einem offenen Herzen und einer offenen Hand beantwortet hast.

In einer eigenen stillen Art und Weise bezieht die gewöhnliche Freundlichkeit eine Stellung, die heute schon fast subversiv ist: Die Welt hat viel mehr Möglichkeiten als Gefahren, die meisten Menschen wollen das Beste für andere. Einfache, informelle menschliche Verbindungen halten diesen alten, abgenutzten Planeten viel mehr zusammen als große Konzerne oder das Flackern der Massenmedien an den Wänden unserer gepolsterten Höhlen.

Du kannst mit nahen Bekannten und mit Fremden, mit Kollegen und Schwiegereltern, mit Babys und Vorgesetzten freundlich sein – selbst mit Menschen, die du nicht persönlich kennst, wie diejenigen auf der anderen Seite der Welt. Natürlich ist es nicht immer angemessen, mit jemandem freundlich zu sein, wie zum Beispiel mit einem Gegner in einem Konflikt oder gegenüber jemandem, der dich missverstehen würde. Aber die Möglichkeiten für mehr Freundlichkeit sind in dieser Woche sicher überall in deiner Umgebung.

Die Kreisläufe der Freundlichkeit im Gehirn aufwärmen:

  • Erinnere dich an einen Moment, in dem du mit jemandem zusammen warst, der sich um dich gekümmert hat.
  • Erinnere dich daran, wann jemand freundlich zu dir war.
  • Erinnere dich an eine Zeit, in der du zu jemand anderem freundlich warst.
  • Bekomme ein Gefühl für die Haltung, Bewegungen, Gesten und Gesichtsausdrücke eines Menschen, von dem du weißt, dass er oder sie natürlicherweise freundlich ist.
  • Entspanne deinen Körper in ein Gefühl der Freundlichkeit: Lehne dich etwas nach vorn anstatt nach hinten; entspanne und öffne deinen Brustbereich, dein Gesicht und deine Augen; atme Wohlwollen ein und aus.

Dann suche nach alltäglichen Möglichkeiten, freundlich zu sein. Oft wirst du nur ein Lächeln, ein Händeschütteln oder ein Nicken geben – und das ist ausreichend. Vielleicht gibst du einige Minuten für ein Gespräch. Oder eine Umarmung am Morgen oder einen Gute-Nacht-Kuss. Oder einen zusätzlichen Ausdruck von Wärme in einer E-Mail.

Freundlichkeit transformiert Beziehungen

Geh an deine Grenzen, bleibe aber in dem Bereich, der für dich authentisch ist. Erinnere dich daran, dass Freundlichkeit nicht Zustimmung oder Übereinstimmung bedeutet; es bedeutet nicht, dass du deinen eigenen Standpunkt in der Beziehung aufgegeben hast. Freundlichkeit ist nicht das Gleiche wie Freundschaft; in Wirklichkeit haben wir die meisten Beziehungen mit freundlichen Bekannten.

Denke an deine Familie und deine Freunde. Wie wäre es, mit deinem Geliebten oder Partner etwas freundlicher zu sein? In meiner Arbeit mit Paaren über viele Jahre ist es schmerzhaft zu sehen, wie eine grundlegende Freundlichkeit in einer langjährigen Beziehung Seltenheitswert hat. Wie wäre es, freundlicher gegenüber deinen Eltern oder Geschwistern – oder deinen eigenen Kindern – zu sein? Auch hier ist es erstaunlich zu sehen, wie leicht Freundlichkeit durch Geschäftigkeit, kleine Unstimmigkeiten und Verletzungen oder Sorgen aufgrund von zu viel Arbeit aus unseren wichtigsten Beziehungen verdrängt werden kann. Aber Tropfen der Freundlichkeit, die hier und dort verstreut werden, können in einer Beziehung zutiefst transformierend wirken. Probier es aus und sieh selbst!

Denke auch daran, freundlicher gegenüber Menschen zu sein, die du vielleicht normalerweise ignorierst oder distanziert behandelst oder zu denen du kühl bist. Wie zum Beispiel die Bedienung in einem Restaurant, jemand der dich am Flughafen zum anderen Terminal fährt oder – ein großer Tabubruch – Fremde in einem Aufzug.

Beobachte, was passiert. Nimm die positiven Wirkungen auf, wie einen kleinen Holzscheit nach dem anderen, der das warme, glühende Feuer im Herd deines Herzens nährt.

 

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel Be friendly veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

Im November 2012 erschien im Arbor Verlag das gleichnamige Buch zum Newsletter: Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha.

 

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz. Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson